LG V40 ThinQ im Test: Lang erwartetes Top-Smartphone mit Triple-Kamera

Das LG V40 ThinQ hat drei Kameras auf der Rückseite.
Das LG V40 ThinQ hat drei Kameras auf der Rückseite.(© 2019 CURVED)

Mehr als drei Monate nach der Vorstellung kommt das LG V40 ThinQ nach Deutschland. Mit seinen insgesamt fünf Kameras und einem angeblich noch weiter verbesserten Sound, gibt es genug Gründe sich das Smartphone im Test genauer anzuschauen.

LG hatte das V40 ThinQ bereits im Oktober 2018 offiziell vorgestellt. Aus verschiedenen, eher organisatorischen und rechtlichen Gründen, ist das Smartphone aber erst seit dem 25. Januar in Deutschland erhältlich. Neben viel Standard-Technik für ein Flaggschiff-Smartphone sorgt vor allem die Triple-Kamera dafür, dass das V40 einen genaueren Blick wert ist.

Drei Kameras, drei Blickwinkel, ein Auslöser

Die fünf Kameras des LG V40 ThinQ verteilen sich folgendermaßen: Drei befinden sich auf der Rückseite und zwei auf der Vorderseite. Für die Fotos stehen euch, neben der Hauptkamera mit einer Auflösung von zwölf Megapixeln und einer großen Blende von f/1.5, eine Weitwinkel-Kamera mit 16 Megapixeln und einem Blickwinkel von 107 sowie eine Tele-Kamera mit einer Auflösung von zwölf Megapixeln zur Verfügung. Sie sind mit Blenden von f/1.9 und f/2.4 weniger lichtempfindlich und ihre Sensoren haben im Vergleich mit der Hauptkamera kleinere Pixel. Das macht sich bei der Bildqualität bemerkbar.

Grundsätzlich nimmt das LG 40 ThinQ Fotos mit einer sehr hohen Detailgenauigkeit und natürlich wirkenden, kräftigen Farben auf. Der HDR-Modus lohnt sich trotzdem, um starke Kontraste abzufedern und der Bokeh-Effekt sieht ordentlich aus. Die "AI Cam" liefert mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz deutlich bessere Ergebnisse als noch beim LG G7 ThinQ, allerdings sind die Unterschiede zur normalen Automatik minimal. Vor allem bei der Weitwinkel-Kamera erkennt man bei Betrachtung in Originalgröße deutliche Qualitätseinbußen gegenüber der Hauptkamera. Die Tele-Linse nimmt wiederum Details auf, die selbst bei Vergrößerungen der Bilder der Hauptkamera nicht zu erkennen sind.

Als durchaus praktisch erweist sich die "Triple Shot"-Funktion. Dabei nimmt die Kamera des V40 nach einem Klick je ein Foto mit jeder Kamera aus. So muss man sich in einer Situation nicht für einen Bildausschnitt entscheiden. Kleiner Nachteil: Die Aufnahmen erfolgen nicht im selben Moment, sondern kurz hintereinander. Das macht sich vor allem bei bewegten Motiven bemerkbar. Falls ihr euch lieber für einen Ausschnitt entscheiden wollt, ist die Vorschau, die alle drei Kamera-Ausschnitte anzeigt, hilfreich.

Bei Dunkelheit sehen die Aufnahmen des LG V40 ThinQ vor allem mit aktiven HDR gut aus, reichen aber nicht ganz an die Top-Kameras heran. Bei der Tele- und der Weitwinkel-Kamera sind in der Nacht dagegen massive Einbußen bei der Bildqualität zu verzeichnen. Nicht nur in der Nacht könnt ihr bei Panorama-Aufnahmen neben der Hauptkamera auch auf die Weitwinkel-Kamera zurück greifen – und so noch mehr Inhalt auf das Bild bekommen.

Dualkamera auf der Vorderseite

Auf der Vorderseite des V40 stehen euch zwei Kameras für Selfies zur Verfügung. Die Hauptkamera hat dabei eine Auflösung von acht Megapixeln und ist mit einer Blende von f/1.9 etwas lichtstärker als die zweite Kamera. Die bietet zudem nur eine Auflösung von fünf Megapixeln, hat aber dafür einen größeren Blickwinkel von 90 Grad. Damit soll man bis zu acht Personen auf ein Selfie bekommen.

Die Frontkamera liefert ausreichend Details, allerdings sind die Farben – wie bei vielen anderen Modellen – etwas flau und könnten gerne kräftiger wirken. Zudem bereiten starke Kontraste selbst bei aktivem HDR-Modus noch Probleme – etwa beim Himmel im Hintergrund, der komplett weiß ist. Die Details der Wolken und kleine blaue Flecken gehen komplett verloren. Der Bokeh-Effekt ist dank der zwei Linsen gut, allerdings überzeugt die Wahl der Kantenführung nicht immer.

Wie schon bei den Kameras auf der Rückseite nimmt die Bildqualität bei Dunkelheit ab – bei den Frontkameras allerdings noch stärker. Die Detailgenauigkeit sinkt rapide und die Person ist erstaunlich dunkel, der Hintergrund dagegen allerdings überraschend gut ausgeleuchtet. Der Blitz hellt das Gesicht stark auf, lässt aber den Hintergrund quasi"verschwinden".

Sound: DTS:X, Quad-DAC und Boombox

Beim Sound des V40 verspricht LG viel. Für einen guten Klang soll neben Boombox-Lautsprechern und einem Quad-DAC mit 32 bit die exklusive DTS:X-Unterstütung sorgen. Für letzte ist man allerdings darauf angewiesen, dass die Tonquelle das Format anbietet. Das sind in erster Linie Filme und die haben dann auch wirklich einen Surround-Sound. Allerdings: Wer will sich einen Blockbuster auf dem Smartphone anschauen? Und mit einem großen Fernseher und evtl. noch einem Boxen-Set kann auch das V40 nicht mithalten. Soll es ja aber auch nicht. Schaut man aber nur Videos ohne DTS:X oder hört Musik, dann hat das LG V40 zwar einen sehr guten Sound, bewegt sich aber nur minimal über dem Niveau der anderen Top-Smartphones.

Großes Display und Top-Hardware

Auf der Vorderseite des LG V40 ThinQ fällt der Blick auf einen 6,4 Zoll großen OLED-Bildschirm, an dessen oberen Rand sich eine Notch befindet. In der Aussparung sind die Frontkamera und ein Lautsprecher untergebracht. Die Auflösung des Displays fällt mit 3120 x 1440 Pixeln sehr hoch aus. Neben vielen Details überzeugt der Touchscreen auch mit kräftigen, natürlichen Farben und eine Helligkeit, die ihn auch bei Sonnenschein gut nutzbar macht.

Die Rückseite des LG V40 ThinQ besteht ebenfalls aus Glas. Das ist mattiert, so dass auf der blauen oder silbernen Rückseite Fingerabdrücke nicht so stark auffallen, wie bei glänzenden Rückseiten. Verbunden sind beide Glasflächen durch einen Metallrahmen. Damit bewegt sich das V40 bei der Materialwahl und der Verarbeitung auf einem sehr hohen Niveau.

Die technische Ausstattung ist ebenfalls eines Top-Smartphones würdig. Im V40 ThinQ verbaut LG den Snapdragon 845 und sechs Gigabyte Arbeitsspeicher. Das reicht nicht nur für alltägliche Apps und eine flüssig laufende Nutzeroberfläche, sondern auch für grafisch anspruchsvolle Spiele wie PUBG Mobile. Allerdings erscheinen spätestens Ende Februar 2019 die ersten Smartphones mit dem Snapdragon 855 und lassen das V40 veraltet erscheinen. Hier wird dem Smartphone sein verspäteter Verkaufsstart in Deutschland zum Problem. Gar kein Problem ist dagegen der 128 Gigabyte große interne Speicher. Das sollte für viele Fotos und Videos reichen und lässt sich bei Bedarf mit einer microSD-Karte erweitern.

Anschlüsse, Tasten und Android Oreo

Auf der Rückseite des LG V40 ThinQ befindet sich ein gut erreichbarer Fingerabdrucksensor mit dem man das Smartphone zügig entsperrt. An der unteren Seite findet ihr neben dem USB-C-Anschluss auch noch eine 3,5-mm-Buchse für euer Kopfhörer-Kabel. Der Akku fällt mit 3300 mAh für ein Top-Smartphone eher klein aus, bringt euch mit dem V40 bei typischer Nutzung aber über den Tag.

Das LG V40 ThinQ hat eine eigene Taste für den Google Assistant. Im Gegensatz zur Bixby-Taste bei etlichen Galaxy-Modellen von Samsung, startet man damit immerhin einen funktionierenden Sprachassistenten. Aber trotzdem irritiert sie. Sie befindet sich auf der linken Seite, unterhalb der Lautstärketasten. Der Einschaltknopf befindet sich auf der rechten Seite – und auch nach ein paar Tagen habe ich immer wieder den Google Assistant gestartet, wenn ich das V40 leiser machen oder ausschalten wollte.

Ebenfalls nicht zufriedenstellend ist die Software-Ausstattung. Bei der Vorstellung des V40 im Oktober war Android 8.1 Oreo noch völlig in Ordnung. Aber wenn man sich jetzt im Januar ein zumindest gefühlt neues Smartphone kaufen will, kommt einem das Betriebssystem veraltet vor. Das Update auf Android Pie hat LG beim V40 ThinQ aktuell für das zweite Quartal 2019 geplant. Sprich: zwischen April und Juni soll es erscheinen.

Fazit

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 899 Euro hält das LG V40 ThinQ etwas Abstand zur 1000-Euro-Grenze. Dafür bekommt ihr ein gut verarbeitetes Smartphone, das ansprechend aussieht. Die Kamera lädt mit ihren drei Objektiven und unterschiedlichen Apps zur Kreativität ein, bleibt bei der Gesamt-Bildqualität allerdings knapp hinter der Spitzengruppe zurück. Beim Display und der Hardware geht ihr keine Kompromisse ein, müsst aber bei der Software noch einige Zeit mit dem alten Android Oreo vorlieb nehmen.

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