Casio Pro Trek WSD-F30 im Test: Diese Smartwatch ist hart im Nehmen

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Die Casio Pro Trek WSD-F30 ist alles andere als klein.
Die Casio Pro Trek WSD-F30 ist alles andere als klein.(© 2019 CURVED)

Kompass, Doppel-Display, Militärstandards! Ihr merkt schon: Die Casio Pro Trek WSD-F30 ist keine normale Smartwatch. Was sie kann und für wen sie sich eignet, klärt der Test.

Achtung, jetzt wird's gefährlich. Während andere Hersteller mit vielen Farben, Formen und anderen Variationen versuchen, die Smartwatch salonfähig zu machen und so euer Handgelenk zu erobern, gibt es bei Casio nur eine Richtung: in die Wildnis. Denn mit der Uhr mit dem sperrigen Namen Pro Trek WSD-F30 richtet sich Casio nicht an Anzugträger oder Hobbysportler, sondern an Abenteurer, die sich auch mal abseits der Wanderwege bewegen. Und die brauchen kein schickes digitales Zeiteisen, sondern eine toughe Smartwatch mit passenden Funktionen für den Outdoor-Einsatz.

Ein Hingucker auf seine eigene Art

Dementsprechend hat Casio wenig Wert auf Eleganz gelegt. Das Gehäuse der Smartwatch ist riesig, die Knöpfe auf der rechten Seite fallen sehr groß aus, Schrauben sind genauso deutlich sichtbar wie der magnetische Ladeanschluss links oben. Das alles vermittelt ein gewisses Gefühl von Robustheit. Dazu passen die Angaben auf dem Datenblatt. Die WSD-F30 ist wasserdicht bis 5 bar, eignet sich also auch zum Schwimmen – oder zum Angeln. Das ist aber noch nicht alles. Die Uhr erfüllt auch einige Standards des US-Militärs (MIL-STD-810), ist unter anderem stoßfest und gegen Hitze und Kälte gewappnet. Was soll da schiefgehen?

Der einzige, der schief geht, ist unter Umständen der Träger. Die Uhr ist, wie gesagt, sehr groß, passt also eher nicht an zierliche Handgelenke. Wer das mitgelieferte Gummiarmband nicht mag, kann es zwar durch ein anderes ersetzen. Das dürfte den Umstand aber nicht ändern. Für Gesprächsstoff sorgt das Outdoor-Monster dennoch: "Was trägst du denn da am Arm?" war eine Frage, die der Autor dieser Zeilen in den letzten Tagen häufig beantworten musste. Die Smartwatch passt halt wirklich nicht zum Jacket. Das trägt man allerdings auch sehr selten in freier Wildbahn.

Was den Spaß an der Freude trübt, sind die Farben und Applikationen am Gehäuse. Wer genau hinsieht, der bemerkt, dass der Lack im Bereich der Buttons bereits minimal abblättert. Der bedruckte Kunststoff rund ums Display erfüllt außerdem kaum einen Zweck, sorgt eher dafür, dass die Uhr günstiger aussieht, als sie in Wirklichkeit ist. Casio verkauft die WSD-F30 für 550 Euro. Eine Menge Holz für eine Uhr fürs Unterholz. Da hätte es gern mehr Edelstahl sein dürfen.

Dual-Display und Outdoor-Funktionen

Dafür hat die WSD-F30 einige Tricks auf Lager. So hat die Uhr nicht nur ein Display, sondern gleich zwei. Über dem farbigen LCD liegt ein monochromer Bildschirm. Die Idee beim sogenannten Dual-Layer-Display: Wer an normalen Tagen nur die Zeit ablesen und auf die smarten Funktionen der Uhr verzichten kann, der spart Akku. Schon die beiden Vorgänger profitierten von der Bauweise. Auch bei der neuen Smartwatch ist das wirksam. Um den Stromverbrauch zu regulieren, installiert der Hersteller sogar gleich zwei Apps. Wer es richtig angeht, kommt mehrere Tage mit der Uhr aus. Bei reiner Smartwatch-Nutzung geht es spätestens am zweiten Abend an die Steckdose. Usus für gängige Smartwatches.

Was andere smarte Uhren ebenfalls nicht haben: Über den oberen der drei Buttons auf der rechten Seite ruft ihr eine Kartenansicht auf, auf der ihr – GPS sei Dank – sehen könnt, wo ihr euch gerade befindet. Zusätzlich könnt ihr Markierungspunkte setzen und für diese Punkte Sprachnachrichten hinterlassen. Wer das Smartphone nicht durch die Wildnis schleppen möchte, der kann sich Kartenmaterial auch auf die Uhr laden und hat dabei sogar die Wahl, ob er seine Offline-Karten lieber von Google Maps oder Mapbox beziehen möchte. Interessant dabei ist, dass der "Google Maps"-App für Wear OS eine Offline-Funktion fehlt. Hier ist die Casio-Uhr anderen Wear-OS-Uhren überlegen. Aber Vorsicht: GPS geht auf den Akku. Außerdem ist die Bedienung auf dem kleinen Bildschirm nicht immer einfach.

Über den Button oben rechts öffnet ihr die Karten-App.(© 2019 CURVED)

Über den unteren Button, der mit "Tool" beschriftet ist, könnt ihr durch weitere Outdoor-Funktionen schalten. Ihr habt Zugriff auf ein Barometer, einen Kompass, einen Höhenmesser, eine Anzeige für den Sonnenauf- und -untergang, und eine Gezeitengrafik. Kurz: jede Menge Funktionen, die man im Alltag eher nicht benötigt, es sei denn, man heißt Indiana Jones. Welche Funktion ihr in welcher Reihenfolge sehen wollt, könnt ihr über die zusätzliche Smartphone-App Casio Moment Setter+ festlegen. Auf der Uhr gibt es außerdem eine Aktivitäten-App, mit der ihr Aktivitäten wie Wandern oder Angeln festhalten könnt.

Ansonsten kann die Uhr alles, was auch normale Smartwatches können. Sie zeigt zum Beispiel eingegangene Nachrichten an. Weil auf der Uhr Googles Wear OS in der aktuellsten Version läuft, habt ihr außerdem Zugriff auf jede Menge Fitnessfunktionen, die euch im Zweifel aber nicht so viel bringen wie auf anderen smarten Uhren. Der Casio-Uhr fehlt nämlich der ansonsten übliche Herzschlagsensor. Für eine echte Sportuhr ist sie aber ohnehin viel zu groß. Koppeln könnt ihr die Smartwach per Bluetooth übrigens nicht nur mit Android-Smartphones, sondern auch mit dem iPhone. Dann aber ist der Funktionsumfang eingeschränkt. Ihr könnt zum Beispiel vom Handgelenk aus nicht auf Nachrichten antworten.

Fazit: Sonderling für Abenteurer

Mit der Casio Pro Trek WSD-F30 hat sich der Hersteller eine sehr spitze Zielgruppe ausgesucht, die nicht nur gern Abenteuer in der Natur erlebt, sondern auch über das nötige Budget verfügt. Mit 549 Euro ist die Smartwatch locker 250 bis 300 Euro teurer als andere "Wear OS"-Uhren. Die haben dann zwar keine dedizierten Outdoor-Funktionen, sind in der Regel aber ebenfalls wasserdicht – und sehen besser aus.


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