Asus ROG Phone im Test: Ein Game Changer?

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Von vorne fast unscheinbar: Das Asus ROG Phone richtet sich auch optisch an Gamer – allerdings nur auf der Rückseite.
Von vorne fast unscheinbar: Das Asus ROG Phone richtet sich auch optisch an Gamer – allerdings nur auf der Rückseite.(© 2019 CURVED)

Asus kennt sich aus mit Gaming. Nicht umsonst hat der taiwanesische Hardware-Hersteller bereits 2006 die Republic of Gamers (ROG) gegründet. Unter dem Sublabel versammelt Asus alle Produkte, die sich speziell an Computerspieler richten: also PCs, Laptops, Peripherie etc. – allesamt High-End, aber eben auch entsprechend teuer. Ende 2018 neu hinzugekommen ist das erste Gaming-Smartphone von Asus: das Asus ROG Phone. Wir haben ausgiebig damit gespielt.

Wenngleich Asus mit den ZenFones bereits seit Jahren im Smartphone-Segment mitmischt, ist das ROG Phone auch für Asus das erste seiner Art. Premium-Hardware und besondere Features sollen damit vor allem Vielspieler ansprechen. Das Ganze hat natürlich seinen Preis: Um 899 Euro erleichtert euch Asus für das ROG Phone in der Basisvariante. Das etwa zeitgleich erschienene Razer Phone 2 (hier geht's zum Test) ist inzwischen von ehemals 889 Euro auf 719 Euro abgerutscht. Doch das Asus ROG Phone will sich nicht nur durch sein markantes Design von anderen Gaming-Smartphones abheben.

90 Hertz und 16 Millionen Farben

Die eigenwillig asymmetrisch angeordnete Rückseite spricht eine klare Sprache: Ja, ich bin anders! Schon auf den ersten Blick wird damit die ROG-DNA deutlich, die sich durch die gesamte Designsprache des Sublabels zieht. Und dennoch, mir gefällt die verspielte Anmutung der glänzenden Rückseite, die dank des in 16 Millionen leuchtenden RGB-Logos auch noch farbliche Akzente setzt – sofern man das möchte. Weil Asus beim Material auf Metall und nicht auf Glas setzt, lässt sich das ROG Phone nicht induktiv aufladen. Darüber hinaus ist es aufgrund der vielen Öffnungen (Kühlblenden, drei USB-C-Ports und Klinkenanschluss) ausschließlich gegen Spritzwasser (IP4X) geschützt.

Die Front ziert ein sechs Zoll großes AMOLED-Display, das oben und unten von schwarzen Balken gerahmt wird. Denn wer "Gaming-Smartphone" sagt, muss auch "Stereo-Lautsprecher" sagen, oder so ähnlich. Leider verschenkt Asus die Chance, die Bedienelemente off screen in den schwarzen Balken unterhalb des Displays zu integrieren. So hätte das Display noch ein paar Millimeter dazu gewonnen. Immerhin lassen sich die Tasten aber über die Einstellungen der Benutzeroberfläche temporär ausblenden.

In seinem 18:9-Format löst das ROG Phone mit 1080 mal 2160 Pixeln auf, also Full HD+. Für die Gamer besonders interessant – und weiterhin eine Seltenheit: Das Asus ROG Phone verfügt über eine Bildwiederholungsrate von 90 Hertz. Bei Smartphones üblich sind 60 Hz, nur das Razer Phone 2 kommt mit 120 Hz auf eine noch flüssigere Darstellung. Allerdings ist auch das ROG in den Einstellungen standardmäßig auf 60 Hertz eingestellt. So schön die 90 Hertz auch sind, einen spürbaren Unterschied erkennt man ohnehin nur im direkten Vergleich.

Bei anspruchsvollen Gaming-Smartphones zum guten Ton gehört auch die HDR-Unterstützung. Wie Razer macht auch das ROG Phone hier einen guten Job, sofern die Inhalte HDR bieten. Insgesamt überzeugt das AMOLED-Display durch knackige Farben, scharfe Kontraste und eine hohe Helligkeit für jedes Lichtverhältnis. Etwas anderes wäre bei einem Gaming-Smartphone auch ein schmerzhaftes Minus.

X Mode für noch mehr Power

Technisch ist das Asus ROG Phone ein Powerhouse. 8 Gigabyte RAM nebst übertaktetem Snapdragon 845 sorgen dafür, dass jedes Spiel – ja, jedes – absolut flüssig und geschmeidig zu spielen sind. Nicht mal bei grafisch anspruchsvollen Titeln wie "Shadowgun Legends" trüben Mikroruckler oder ähnliches den Spielspaß. Egal, welches Spiel ich gestartet habe, von "PUBG", "Fortnite", "Arena of Valor", "Asphalt 9" oder eben "Shadowgun Legends" – jedes davon lief konstant flüssig und problemlos in den höchsten Detailstufen.

Das belegen auch die Benchmark-Ergebnisse. Bei Antutu kommt das High-End-Telefon auf sagenhafte 297.787 Punkte. Mit gezündetem Turbo, dem X Mode, sind es erstaunlicherweise nur 288.517. Bei Geekbench unterscheiden sich die beiden Tests ebenfalls nur marginal, wobei der X Mode hier tatsächlich ein paar Punkte mehr heraus kitzelt: Single-Core: 2494, Multi-Core: 9099; Single-Core: 2525 (X Mode), Multi-Core: 9202 (X Mode).

Für noch mehr Leistung sorgt beim ROG Phone der oben bereits erwähnte X Mode. Dieser konzentriert sämtliche Ressourcen auf die Spiele und deaktiviert alle anderen Anwendungen im Hintergrund. Plötzliche Benachrichtigungen in hektischen Gefechten fallen somit weg und stören nicht mehr den Spielspaß. Das angepriesene Plus an mehr Leistung ist im Test allerdings nicht merklich aufgefallen – das mag auch daran liegen, dass die Power schon im Normalmodus, also ohne X, schon mehr als ausreichend für aktuelle Spiele ist. Gleiches gilt übrigens auch für den auf 2,96 Gigahertz übertakteten Prozessor. Gegenüber den üblichen 2,8 GHz, mit denen der Snapdragon 845 normalerweise läuft, fällt die Differenz im realen Gebrauch nicht ins Gewicht.

Besonderes Feature: die AirTrigger

Noch ein Wort zum X Mode: Eine ähnliche Funktion bietet auch das Xiaomi Black Shark (hier geht's zum Test); dort wird der Modus mechanisch über einen Schalter am Gehäuse aktiviert. Asus löst den Wechsel eleganter und cooler. Denn im Rahmen des Smartphones befinden sich drei sogenannte AirTrigger. Diese berührungsempfindlichen Sensoren aktivieren bei leichtem Druck auf das Gerät den X Mode. Wie stark dieser Druck ausfallen muss, lässt sich in den Einstellungen festlegen, sodass nicht plötzlich unerwünscht sämtliche Benachrichtigungen ausbleiben. Alternativ zum X Mode lassen sich über die AirTrigger auch nahezu alle anderen Funktionen des Smartphones aktivieren, etwa die Taschenlampe oder das Starten einer App.

Im Querformat dienen die AirTrigger als zusätzliche Tasten in Spielen. Bedienelemente, die ansonsten über den Touchscreen gesteuert würden, lassen sich so kurzerhand auf den Rahmen auslagern. Welche Funktionen die AirTrigger übernehmen sollen, lässt sich in den Einstellungen für jedes Spiel individuell festlegen – sehr schön, dass System merkt sich die Einstellung und reaktiviert sie bei jedem Spielstart automatisch. Die unsichtbaren Sensoren reagieren präzise und über die gesamte Fläche des Rahmens.

Zubehör für viel Geld

Asus geht bei der Ausgestaltung des Begriffs "Gaming-Smartphone" noch weiter als die Mitbewerber. Nicht nur die AirTrigger sind ein Alleinstellungsmerkmal, das ich so oder so ähnlich gerne auch bei anderen Smartphones sehen würde. Auch die Vielzahl an Zubehör ist – gelinde gesagt – überwältigend. Direkt mitgeliefert wird der AeroActive Cooler.

Der kleine Aufsteckadapter lässt sich bei quer gehaltenem ROG Phone mittig auf die Rückseite klemmen und sorgt für Extra-Frischluft. Bei längeren Spielsitzungen durchaus sinnvoll, wobei das Smartphone auch ohne den zusätzlichen Kühler nie kritisch warm wird. Zudem dreht der kleine Ventilator unter Volllast hörbar auf, was nicht nur akustisch stört, sondern auch den Akku des Smartphones schneller aufzehrt. Netzteil oder Powerbank sollten deshalb idealerweise in greifbarer Nähe sein – letztere ist leider nicht im Lieferumfang enthalten.

Drei Stunden hat der 4000 mAh große Akku übrigens bei durchgehendem Spielen und angeschlossenem AeroActive Cooler durchgehalten. Bei normaler alltäglicher Nutzung schafft das ROG Phone problemlos einen 24-Stunden-Tag, bevor der Akku nach Saft schreit. Dank Quick Charge 4.0 ist der Durst aber nach etwas mehr als einer Stunde wieder gestillt.

Fast ein richtiger Controller: das Gamevice

Ebenfalls in die Kategorie "durchaus sinnvoll" fällt das Gamevice. Der per Gummizug zusammengehaltene und per Bluetooth gekoppelte Controller lässt sich links und rechts auf das Smartphone klemmen und ergänzt das Gerät um ein vollwertiges Gamepad. Wer mit PS4 oder Xbox One vertraut ist, fühlt sich auch mit dem ergonomischen Gamevice wohl. Die meisten Spiele akzeptieren die Eingabe per Tasten und Analogsticks, viele sogar automatisch.

Über den integrierten Game Genie könnt ihr die Tasten ggf. ihren entsprechenden Funktionen auf dem Touchscreen zuweisen, falls Spiel und Gamevice sich nicht direkt von alleine verstehen wollen; bei Shadowgun Legends etwa musste ich zwei Tasten händisch zuweisen. Dank des Gamevice spielt sich das ROG Phone fast wie eine richtige Handheld-Konsole.

Unnötig und teuer: das TwinView Dock

Leider lässt sich das von dem ambitionierten TwinView Dock nicht sagen. Auch hier scheint die Idee gewesen zu sein, dass ROG Phone in einen Handheld zu verwandeln, der dem Nintendo 2DS ähnlich sieht. Oben wird das ROG Phone eingeschoben, während unten ein fest integrierter zweiter Bildschirm verbaut ist. Warum? Ja, gute Frage. Denn die meisten Spiele bieten, bis auf wenige Ausnahmen wie "Asphalt 9", überhaupt keine Dualscreen-Funktion – und wenn, dann für eher sinnfreie Dinge wie das Anzeigen einer Karte.

Ein Pluspunkt wäre gewesen, wenn sich zumindest die Touch-Steuerung auf den unteren Bildschirm auslagern ließe, während oben das Spiel läuft. Ihr merkt schon: Konjunktiv. Mal abgesehen davon, wäre ich ohnehin ständig vom Spiel abgelenkt, weil ich immer wieder nach unten schauen müsste, ob ich die virtuellen Tasten überhaupt treffe. Aber nochmal: Konjunktiv. Das TwinView Dock erlaubt trotz zweitem Bildschirm kein Auslagerung der Bedienung nach unten. Wie auch, schließlich müssten die Entwickler der Spiele eine derart ungewöhnliche Steuerung überhaupt erstmal in ihre Spiele einbauen.

Dazu kommt, dass das TwinView Dock sehr kopflastig ist und leicht nach vorne aus der Hand kippen kann. Die zusätzlichen 6000 mAh, die verstärkten Vibrationsmotoren plus die zwei externen Lautsprecher können nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier mit ein 249 Euro ein zu teures und leider auch unsinniges Gadget ohne realen Mehrwert angeboten wird.

Fazit: Hoffentlich kein Einzelfall

Japp, das Asus ROG Phone ist ein cooles Smartphone. Es sieht ungewöhnlich aus, bietet mehr als genügend Power für sämtliche Anwendungen und einen ausreichend starken Akku, um AMOLED-Display und Aura-Beleuchtung einen ganzen Tag lang in höchster Helligkeitsstufe erstrahlen zu lassen. Die Stereo-Lautsprecher bekommen ebenfalls ein Häkchen auf dem Pluskonto, klingen allerdings nicht ganz so satt und voluminös wie beim Razer Phone 2 – dafür aber immer noch besser als 100 Prozent der Smartphones mit Monolautsprecher.

Neben dem Design und der Premium-Hardware überzeugen mich vor allem die AirTrigger und das sauber aufgeräumte Betriebssystem. Asus legt zwar ebenfalls eine eigene Benutzeroberfläche, die sogenannte Gaming X UI, über Android, verzichtet zum Glück aber auf unnötig viele eigene Apps (etwa das Game Center). Weniger schön bei der Software: Das ROG Phone ist ab Werk noch mit Android 8.1 bestückt, ein Update auf Android 9 Pie soll aber folgen. Gleiches gilt für das Sicherheitsupdate, das zum Testzeitpunkt Mitte Februar 2019 noch auf dem Stand von November 2018 ist.

Was das Zubehör angeht, bin ich unschlüssig. Wenngleich ich das Gamevice als wirklich sinnvolle Ergänzung empfinden, sind die 99 Euro, die Asus dafür zusätzlich zu dem ohnehin schon teuren Smartphone aufruft, schmerzhaft viel. Andere brauchbare Bluetooth-Controller kosten erheblich weniger. Der Sinn des TwinDock View will sich mir überhaupt nicht erschließen. Das Gadget ist unfassbar klobig, teuer und schlicht sinnlos. Als Konzept auf dem Papier mag die Idee noch halbwegs cool geklungen haben, aber – sorry – 249 Euro für eine halbwegs coole Idee sind nicht verhandelbar. In Summe kostet das gesamte Set an Zubehör übrigens nochmal genauso viel wie das Smartphone selbst.

Um meinen Test aber auf einer versöhnlichen Note enden zu lassen: Wer mit dem Gedanken spielt, sich ein dediziertes Gaming-Smartphone zu kaufen, macht mit dem Asus ROG Phone nichts verkehrt. Sowohl als mobile Spielstation als auch als Smartphone im eigentlichen Sinne erfüllt es alle Aufgaben anstandslos. Würde ich privat mehr auf dem Smartphone spielen, das Asus ROG Phone wäre auf jeden Fall in der engeren Auswahl. Bleibt nur zu hoffen, dass Asus an der Idee festhält und das ROG Phone keine Ausnahme im Portfolio bleibt.

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